Kindle Direct Publishing

Ja, man kann Amazon ja viel vorwerfen. Den Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, die Verdrängung des stationären Buchhandels, die Erpressung der Verlage. Aber für eBook – Autoren hat Amazon mit der Plattform Kindle Direct Publishing (KDP) Pionierarbeit geleistet. Was jetzt Tolino Media, Neobooks und Bookmundo auf die Beine stellen, hat Amazon zum Vorbild. Es heißt, Amazon habe die deutsche Verlagswelt verändert? Amazon hat der deutsche Verlagswelt die Zukunft gezeigt!

Gegen deutsche Gründlichkeit

Das eigene Buch zu publizieren ist mit Kindle Direct Publishing (KDP) immer noch so einfach wie mit keinem anderen Autorenprogramm. Jeder kann hier ungetrübt und kostenlos einfach mal loslegen. ISBN? Nicht nötig! VLB? Überflüssig! Irgendwas im Impressum vergessen? Amazon winkt es trotzdem durch! Inhaltliche Qualitätskontrolle, Lektorat, Korrektorat? Der KDP-Autor muss nicht mal wissen, wie man diese Oberlehrerwörter schreibt.

Sprung zu gedruckten Verlagen

Die Bedingungen sind so, dass sich gestandene Verlagsmitarbeiter die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Aber danach winken sie den KDP-Erfolgsautoren mit Verträgen für ein Druckausgabe des eBooks.
Einer der ersten deutschen KDP-Starautoren war Jonas Winner. 2011, zum Start von KDP in Deutschland, hat er mit seiner Fantasyserie „Berlin Gothic“ ordentlich abgeräumt. Danach wurde das Buch von Droemer Knaur als Printbuch verlegt. Aus diesem Prinzip hat übrigens auch Droemer Knaur gelernt. Der Verlag arbeitet heute in Kooperation mit dem Distributor Neobooks. Wer dort als Autor gut verkauft, wird von Verlagsscouts aus dem eigenem Hause entdeckt.

Freunde, Fans und Follower: Das Buch ist da.

Ranking ist alles

Ranking ist bei Amazon alles, und das ist Teufelszeug: Wer nicht gesehen wird, wird nicht verkauft. Wer nicht verkauft wird, wird nicht gesehen. Nach dem Upload auf Amazon steht ein Marketing-Marathon an. Facebook, Twitter, Autorenseiten, Blogs, Buchtrailer, Interviews, Rezensionen, Autorenzirkel wie Qindie… ohne Marketing geht das Buch ganz einfach in der Masse unter.

KDP Tantiemen

Bei der Preisgestaltung musst du aufpassen. Bei einem Buchpreis von 2,99€ und bis 9,99€ erhält der Autor 70%, sonst 35%. Das Modell kann man nur als skurril bezeichnen, aber mit Amazon ist nicht zu dikutieren. Die Konkurrenz von Tolino Media hat die Lücke erkannt, und bietet 70% Tantiemem auch für eBooks unter 2,99 an (Stand September 2015). Allerdings sind 35% im Vergleich zu gedruckten Büchern immer noch gigantisch. Beim klassischen Verlag erhält ein Autor so um die 12 Prozent vom Nettoverlagspreis! Beispiel: Ein Buch kostet 19,90 € im Laden, der Autor erhält 1,15 €. Verzichten muss der Autor bei KDP dann aber auf Verlagsvorschuss, Lektorat, Grafiker und Marketing.

KDP Formate

Obwohl KDP eine Reihe von Formaten akzeptiert, sollte man beim Upload wählerisch sein! Es wird alles für die Kindle-Reader zurechtgestutzt. Amazon empfiehlt zwar selbst die Formate DOC, DOCX und HTML, aber diese werden automatisch konvertiert. Sicherer ist es, im Mobi-Format hochzuladen. Achtung: Validieren nicht vergessen!

Was von Amazon angenommen wird:

  • Word (DOC oder DOCX)
  • HTML (ZIP, HTM oder HTML)
  • MOBI (MOBI)
  • ePub (EPUB)
  • Rich Text Format (RTF)
  • Textdateien (TXT)
  • Adobe PDF (PDF)
  • Kindle Package Format (KPF)

Ja, Amazon frisst sogar das freie Format ePub, allerdings nur um es danach wieder zu konvertieren. Auch diesen Schritt erledigt man besser selbst, zum Beispiel mit Calibre oder Jutoh. Völlig abzuraten ist vom Upload im PDF-Format. Andere Shops lassen das PDF, wie es ist, Amazon wandelt um – mit unvorhersehbaren Layout-Folgen.

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